Slings Gerichtsreportagen sind keineswegs nur ein Justiz-Buch, sie sind eine Fibel der Menschlichkeit. Ist doch die Justizgeschichte die wahre Geschichte eines Volkes, denn in den großen und kleinen Prozessen spiegeln sich Politik und Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft. Sling schrieb über die Prozesse und Fälle verständnisvolle, menschlich durchlebte und nachgefühlte Berichte, getragen vom Wissen um die Fehlbarkeit eines jeden, denn „jeder Mensch ist irgendwo nur ein armer Teufel". Er schrieb ohne eigene Strafrechtstheorie, die Theorien schob er beiseite und begegnete ihnen mit der ihm eigenen abgründigen Skepsis. „Sling war der bedeutendste Gerichtsreporter dieser entfesselten Zeit. Er verstand den Strafprozess, weil er den Menschen verstand. Und er ließ ihm seine Würde." (Ferdinand von Schirach).
Biografische Anmerkung
Paul Felix Schlesinger (1878–1928), absolvierte zunächst eine Lehre als Textilkaufmann, entwickelte aber früh künstlerische Neigungen. Er befasste sich mit germanistischen, theater- und musikwissenschaftlichen Studien. Vor 1914 veröffentlichte er u.a. in „Licht und Schatten", in „Die Schaubühne" und im „Simplicissimus". 1911 bis 1912 arbeitete er als Ullstein-Korrespondent in Paris auf. Im Ersten Weltkrieg hielt er sich als Berichterstatter in der Schweiz auf und kehrte 1920 nach Berlin zurück. Als Feuilletonist schrieb er über den Alltag der Großstadt Berlin und war einer der bekanntesten Gerichtsreporter seiner Zeit.