„Lebenswege" umfasst elf recht unterschiedliche Erzählungen der großen Erzählerin Anna Croissant-Rust, deren einzigartige Beobachtungsgabe, naturalistische Milieuechtheit und weitherziges emotionales Engagement für die vom Schicksal Geschlagenen zurecht bereits von der zeitgenössischen Kritik hochgelobt wurden. In „Lebenswege" finden sich Anekdotisches zum Schmunzeln („Das Nönnlein vom Kloster Ladins"), derb-komische Schelmengeschichten („Der Ammenikel", „Vom Pikepeter und vom Hasenpeter"), Porträtskizzen („Die Brom’ri", „Die alte Wirtin") und Moment- und Situationsbilder („Tirili-Tirili, „K. u. k. Infanterie-Re-gi-ment") sowie subtil psychologische Studien mit mal positivem, mal tragischem Ausgang („ Der Kakadu", „Prinzessin auf der Erbse", „Die junge Bäuerin", „Stationschef Stackebein"). Der Band bietet einen idealen Einstieg in das Werk einer der besten deutschen Erzählerinnen zu Beginn des zwanzigstes Jahrhunderts, die nun wiederentdeckt wird
Biografische Anmerkung
Anna Croissant-Rust (1860–1943) wurde in Bad Dürkheim geboren und lebte lange Jahre in München sowie in Ludwigshafen. In München hatte sie Kontakte zur Schwabinger Künstler- und Literatenszene sowie zur Zeitschrift „Die Insel" und zu dem Verleger Georg Müller. Ihre 1890 erschienene Erzählung „Feierabend, eine Münchner Arbeiter-Novelle" wurde als „Meisterwerk des Naturalismus" gefeiert und machte die Dichterin weithin bekannt. Sie war das einzige weibliche Mitglied der 1895 von Michael Georg Conrad gegründeten Gesellschaft für modernes Leben. Ihre Erzählungen und Romane sind von hoher sozialer Einfühlungsgabe und humorvollen Charakterzeichnungen geprägt.